Über das Klinikum / Historie

Historie

Vom Johanniter-Krankenhaus in der Stadt zum Kreiskrankenhaus auf den Stumpenhof.
Fast 140 Jahre Krankenhaus in Plochingen


Mit der Einweihung und Inbetriebnahme des neuen Kreiskrankenhauses auf dem Stumpenhof beginnt ein neuer Abschnitt in der fast 140jährigen Krankenhausgeschichte Plochingens.

Bereits im Jahre 1860 erwarb der Johanniterorden, der sich unter anderem die Pflege von Kranken zur Aufgabe gemacht hatte, in der Esslinger Strasse ein Bauernhaus und baute es zu einem Hospital um. Am 21. Mai 1864 fand anlässlich eines Rittertags die feierliche Einweihung dieses ersten Plochinger Krankenhauses statt. Für den Betrieb des Hospitals standen zunächst 7 Krankenzimmer mit zusammen 14 Betten und 2 Wohnungen für das Personal zur Verfügung. Die Kranken wurden durch den Ortsarzt Dr. Dietrich betreut.

Die Hospitäler der damaligen Zeit galten allgemein als Einrichtungen für Ortsarme und Heimatlose. Diesen Charakter hat das Plochinger Hospital, wenn überhaupt, so nur kurze Zeit gehabt. Die Ordensgenossenschaft schloss nämlich mit den Gemeinden Plochingen und Reichenbach sowie den Gemeinden Pfauhausen und Steinbach dem heutigen Wernau Verträge ab, wonach alle in diesen Gemeinden wohnenden männlichen und weiblichen Gewerbehilfen" Fabrikarbeiter, Dienstboten und Lehrlinge einer Gemeindekrankenversicherung bei treten mussten, die bei einem monatlichen Beitrag von 20 bis 30 Pfennigen auf 12 Wochen freie Krankenhausbehandlung im JohanniterHospital garantierte. Die Beiträge waren von den Dienstherren zu entrichten. Die von Bismarck 1883 eingeführte gesetzliche Krankenversicherung löste diese für die damalige Zeit ungewöhnliche, fortschrittliche soziale Einrichtung ab.

In den Kriegen 1866 sowie 1870/71 diente das JohanniterKrankenhaus als Lazarett, ebenso im 1. und 2. Weltkrieg.

Am 1. April 1897 übernahm Dr. med. Bosch die hauptamtliche Leitung des Johanniterkrankenhauses. Damit vollzog sich ein steiler Anstieg im Leistungsangebot des Krankenhauses. Obwohl die Zahl der Betten ständig vermehrt wurde, war die Nachfrage so groß, dass ein Neubau erforderlich wurde. Der Konvent der Ordensgenossenschaft beschloss 1904 einen Neubau in der heutigen Johanniterstrasse. Der Kostenvoranschlag betrug 144.000 Mark. Die Amtskörperschaft heute Landkreis gewährte einen Zuschuß in Höhe von 8.000 Mark. Am 28. Mai 1906 war die Einweihung.

Das im Barockstil mit französischem Walmdach erstellte Bauwerk stand noch frei in der Landschaft und grenzte unmittelbar an die Weinberge, die damals Plochingen umsäumten, an. Es bildet mit dem sogenannten Bau I noch heute den Kern der alten Krankenhausanlage und soll als Mittelpunkt des geplanten Altenheims aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten bleiben.

Das Krankenhaus war für die damalige Zeit weiträumig und großzügig gebaut. Es verfügte über 20 Krankenzimmer mit insgesammt 60 Betten, zum großen Teil als Ein und Zweibettzimmer. In einer alten Beschreibung ist besonders das im 1. OG. befindliche Aufnahmezimmer erwähnt. Weiter wird hingewiesen auf die elektrischmedizinischen Badeeinrichtungen und ein im Dachstock befindliches Röntgenkabinett.



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Der gute Ruf des Johanniterkrankenhauses machte es notwendig, das Krankenhaus bereits im Jahre 1914 um den heutigen OP-Flügel mit den darüberliegenden Krankenstationen zu erweitern. Die Inflation, die 1923 ihren Höhepunkt erreichte, brachte das Krankenhaus in schwere wirtschaftliche Bedrängnis. Die Genossenschaft des Johanniterordens sah sich daher gezwungen, die Amtskörperschaft um die Übernahme der Betriebsführung und damit des Betriebsrisikos zu bitten. Dies erfolgte ab 1. Januar 1924.

Der neue Träger baute nunmehr das Krankenhaus weiter aus. Eine geburtshilfliche Abteilung wurde eingerichtet, eine Isolierbaracke erstellt. Das Krankenhaus verfügte damit über 120 Betten und war, wie es in den alten Akten heißt, »bestens ausgestattet«.

Neben dem Chefarzt versahen ein Assistenzarzt und ein Medizinalpraktikant den ärztlichen Dienst. Die Krankenpflege übten 10 Diakonissen des Stuttgarter DiakonissenMutterhauses, die Geburtshilfe eine Hebamme und eine Helferin aus.

Nach weiteren vier Jahren bot der Johanniterorden der Amtskörperschaft den Kauf des Anwesens an, die es am 19. 2.1929 um 250.000 Mark erwarb.

1932 schied Chefarzt Dr. med. Bosch, nach 35jähriger Tätigkeit, altershalber aus. Sein Nachfolger war Chefarzt Dr. med. Müller (1932  1945).

Bereits im Jahre 1938 gab es Pläne, das Kreiskrankenhaus Plochingen zu sanieren, da es den hygienischen und medizinischen Anforderungen nicht mehr voll entsprach. Beanstandet wurden insbesondere die sanitären Verhältnisse. In den Krankenzimmern gab es kein fließend Wasser, die Toiletten waren absolut unzureichend. Sämtliche Überlegungen und Planungen führten zu keinem Abschluss. Inzwischen begann der 2. Weltkrieg und das Krankenhaus wurde wiederum Lazarett.



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Nach Ende des Krieges war zunächst nicht daran zu denken, die dringend notwendigen Sanierungen durchzuführen. Dagegen wurde eine Isolierbaracke mit 25 Betten erstellt (heutiger Bau II) und 1948 eine Innere Abteilung eingerichtet. Chefarzt dieser neuen Fachabteilung wurde Dr. med. Hahn (1949 1977). Der Krankenhausausschuss beschloss am 16.11.1949 einen Erweiterungsbau (Bau III) zu erstellen, der am 10.5.1951 eingeweiht werden konnte. Damit verfügte das Krankenhaus über insgesamt 205 Betten. Nach Übernahme der Chirurgie durch Chefarzt Dr. med. Wenzl (1952  1965) wurde unter der Regie des früheren Kreiskämmerers Bäuerle in den Jahren 1954 die Sanierung der alten Krankenhausanlage begonnen und ein Wirtschaftsgebäude mit Schwesternwohnheim (Bau IV) erstellt. Damit konnten die räumlichen und sanitären Verhältnisse zwar etwas verbessert werden, eine Anpassung an den steigenden Standard und die wachsenden Ansprüche der Bevölkerung war aus räumlichen Gründen langfristig nicht zu erreichen.

Dies führte Mitte der 60iger Jahre zu Überlegungen, das bestehende Krankenhaus in der Johanniterstrasse durch An und Umbauten grundlegend zu sanieren. Am 1.4.1965 übernahm Chefarzt Dr. med. Knorr die Leitung der Chirurgischen Abteilung.

Im Februar 1967 wurde die Architektengruppe Laage und Partner vom Krankenhausausschuß und Kreisrat beauftragt, zu prüfen, ob und in welcher Form eine Sanierung auf dem vorhandenen Areal möglich sei. In Anbetracht der etwa gleich hohen Kosten, der erheblichen Beeinträchtigung des laufenden Krankenhausbetriebs und Belästigung der Patienten kam man zu dem Ergebnis, anstelle aufwendiger An und Umbauten einen Krankenhausneubau zu erstellen.

Am 30.5.1969 wurde das im Besitz der Stadt Plochingen befindliche Gelände auf dem Stumpenhof neben dem Aussichtsturm des Schwäb. Albvereins als Standort festgelegt, das Gelände im Tausch mit dem Krankenhausareal in der Johanniterstrasse von der Stadt Plochingen durch den Landkreis erworben und ein entsprechender Bebauungsplan aufgestellt. Gleichzeitig wurde das Deutsche Krankenhausinstitut beauftragt, ein Gutachten über den Bettenbedarf im Landkreis Esslingen einschl. Raumprogramm für den Krankenhausneubau zu erstellen. Dieses ging von 300 Krankenbetten aus. Als Fachabteilung waren Innere Medizin, Chirurgie, Urologie sowie Belegbetten für HNO und Orthopädie vorgesehen.



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Die Architektengruppe Laage und Partner wurde am 11.6.1970 mit der Neubauplanung beauftragt. Bereits am 14.6.1971 wurde beim Regierungspräsidium das Raumprogramm, die baureifen Pläne sowie die Kostenberechnung für den Neubau eingereicht und der Antrag auf Landesbeihilfe gestellt. Als Baubeginn war der Sommer 1972 vorgesehen. Die Kostenberechnung ging damals von reinen Baukosten in Höhe von 33 Millionen DM aus. Im mittelfristigen Finanzplan des Landkreises waren einschließlich Grunderwerb und Erschließung 36 Millionen DM für das Projekt, ausgewiesen.

Die bevorstehende Kreisreform und das neue Krankenhausfinanzierungsgesetz, das am 1.10.1972 in Kraft trat, brachten das Bauvorhaben ins Stocken. Trotz laufender Bemühungen von Seiten des Landkreises und der Landtagsabgeordneten und nach verschiedenen Besuchen und Besichtigungen durch die zuständige Sozialministerin und der maßgebenden Stellen des Landes konnte das Bauvorhaben in den 70iger Jahren nicht verwirklicht werden.

Schließlich ergaben weitere Gespräche zwischen Landkreis und Sozialministerium im Jahr 1975 eine neue Konzeption für einen Krankenhausneubau mit 200 Betten. Davon sollten 100 Akut und 100 Nachsorgebetten erstellt werden. Die Architektengruppe Laage und Partner wurde daher am 18.9.1975 vom Krankenhausausschuß beauftragt, eine neue Planung entsprechend diesen Vorgaben zu erarbeiten.

Im Juni 1980 erteilte das Sozialministerium endlich die Zusage, das Neubauprojekt Plochingen in ein Jahreskrankenhausbauprogramm Mitte der 80Iger Jahre aufzunehmen und den Neubau im Rahmen einer Unschädlichkeitserklärung des Landes vorzeitig zu beginnen unter der Voraussetzung, daß der Landkreis die Vorfinanzierung übernimmt. Nunmehr konnte die Detailplanung in die Wege geleitet werden. Im Frühjahr 1982 wurde das neue Raumfunktionsprogramm mit dem Sozialmin!sterium und der Oberfinanzdirektion abgestimmt. Entsprechend den Vorgaben des Krankenhausbedarfsplans Stufe 11 des Landes wurde die Planbettenzahl von ursprünglich 300 auf 170 reduziert, davon 120 Akut und 50 Nachsorgebetten. Diese Planung wurde im Krankenhausausschuß und Kreistag am 27.5.1982 bzw. 24.6.1982 abschließend genehmigt. Das Baugesuch wurde im Oktober 1982 eingereicht, die Baufreigabe durch den Kreistag erfolgte am 16.12.1982. Die Rohbauarbeiten wurden am 3.3.1983 vergeben, so daß der Baubeginn im April 1983 erfolgen konnte. Bereits am 4.7.1984 fand das Richtfest statt.

Mit der Einweihung des neuen Kreiskrankenhauses auf dem Stumpenhof am 25.6.1986 konnte das über 15jährige Tauziehen um den Neubau seinen Abschluß finden. Für den Landkreis und insbesondere für die Bevölkerung des Einzuggeblets des Krankenhauses ein überaus erfreuliches und bedeutendes Ereignis ebenso für Ärzte, Pflegepersonal und alle Krankenhausmitarbeiter, die nunmehr nicht nur optimale Arbeitsbedingungen vorfinden, sondern auch eine med.techn. Ausstattung, die allen modernen Ansprüchen entspricht.

Bei der Inbetriebnahme des neuen Kreiskrankenhauses standen folgende Fachabteilungen zur Verfügung:

Interdisziplinäre Intensivstation (Anästhesie/Innere) 7 Betten
Chirurgische Abteilung 78 Betten
Innere Abteilung 85 Betten
Gesamt 170 Betten

Das neue Krankenhaus auf dem Stumpenhof wurde anfangs sehr gut angenommen. Jedoch stellte sich nach einigen Jahren heraus, dass durch die kürzer werdenden Verweildauern die Auslastung der Chirurgischen Abteilung immer geringer wurde, obwohl das Kreiskrankenhaus Plochingen eines der ersten Häuser im Landkreis Esslingen war, dass die endoskopische Chirurgie (Schlüsselloch Chirurgie) in größerem Stil betrieb. Aber gerade dadurch verkürzte sich die Verweildauer in relativ kurzer Zeit so erheblich, dass eine Station geschlossen werden musste. Aus diesem Grund war es notwendig, über eine Neuausrichtung des Kreiskrankenhauses Plochingen nachzudenken. Da im Landkreis Esslingen Mangel an psychiatrischen Betten herrschte, lag es nahe, die Chirurgische Abteilung zu verkleinern oder ganz zu schließen und die freiwerdenden Betten zu psychiatrischen Betten umzuwandeln. Nach längerer Diskussion mit Einbindung des Sozialministerums fasste der Kreistag schließlich am 2.4.1998 den Beschluß, die Neuausrichtung des Kreiskrankenhaus Plochingen wie folgt vorzunehmen:

Kurzzeitchirurgie 6 Betten
Innere Abteilung einschl. Intensivabteilung 78 Betten
Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie 66 Betten
Gesamt 150 Betten

Im Anschluß daran, wurde das Raumfunktionsprogramm mit dem Sozialministerium und der Oberfinanzdirektion abgestimmt, so dass nach gewissen Vorarbeiten am 1.10.2000 mit den Umbaumaßnahmen  begonnen werden konnte. Über rund 1 1/2 Jahre waren jeweils nur die Hälfte der Betten belegbar, da sich die andere Hälfte des Hauses im Umbauzustand befand. Am 1.4.2002 konnte dann die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie ihren Betrieb mit 2 Stationen aufnehmen. Die 3. Station ging am 1.10.2002 in Betrieb. Die Kombination Innere Abteilung und Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie hat sich sehr gut bewährt und trägt dazu bei, den Bestand des Kreiskrankenhaus Plochingen lanfristig zu sichern.

Neben den Bauarbeiten für die neue Fachabteilung wurden im Jahr 2002 noch Umbauarbeiten im Personalretaurant vorgenommen, die mit Ende des Jahres 2002 abgeschlossen werden konnten. Nun steht für Mitarbeiter, Besucher und Patienten ein geschmackvoll gestaltetes Restaurant zur Verfügung, das sehr gut angenommen wird.



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